Wie transdisziplinäre Meeresforschung wirksam werden kann

09.02.2026

Erstmals kamen im Marine Science Campus der Universität Kiel Forschende aus allen drei Missionen der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) – CDRmare, sustainMare und mareXtreme – zusammen, um sich über Methoden transdisziplinärer Meeresforschung auszutauschen. © R. Dielt, CeOS

Erste Konferenz der drei DAM-Missionen zu transdisziplinärer Meeresforschung bringt Wissenschaft und Praxis im Marine Science Campus der Uni Kiel zusammen

Wie gelingt Forschung gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren außerhalb der Wissenschaft? Wie lassen sich transdisziplinäre Methoden so in Forschungsprozesse integrieren, dass daraus wirksame Beiträge für eine nachhaltige Zukunft der Meere und Ozeane entstehen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 70 Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis auf der Konferenz „Marine transdisciplinarity: Co-evaluating the status quo and co-designing the way forward“, die am 4. und 5. Februar 2026 im Marine Science Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) stattfand. Erstmals kamen Forschende aus allen drei Missionen der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) – sustainMare, CDRmare und mareXtreme – zusammen, um transdisziplinäre Ansätze missionsübergreifend und gemeinsam mit Stakeholdern sowie weiteren Forschenden kritisch zu reflektieren, voneinander zu lernen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die vom Center for Ocean and Society (CeOS) des CAU-Forschungsschwerpunktes Kiel Marine Science (KMS) organisierte Konferenz setzte bewusst auf Austausch und folgte einem zweistufigen Konzept: Am ersten Tag standen der interne Dialog und die methodisch-konzeptionelle Reflexion transdisziplinärer Forschung im Vordergrund. Der zweite Tag öffnete sich gezielt für gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure und fokussierte auf Rollen, Wissensformen, Förderbedingungen und Handlungswirksamkeit transdisziplinärer Forschung.

Professorin Dr. Marie-Catherine Riekhof, Direktorin des Center for Ocean and Society des CAU-Forschungsschwerpunktes Kiel Marine Science und Initiatorin der Konferenz, begrüßte die Teilnehmenden und betonte die Bedeutung des missionsübergreifenden Austausches für die Weiterentwicklung transdisziplinärer Forschung.
© Rahel Dirlt, Uni Kiel
Professorin Dr. Marie-Catherine Riekhof, Direktorin des Center for Ocean and Society des CAU-Forschungsschwerpunktes Kiel Marine Science und Initiatorin der Konferenz, begrüßte die Teilnehmenden und betonte die Bedeutung des missionsübergreifenden Austausches für die Weiterentwicklung transdisziplinärer Forschung. © Rahel Dirlt, Uni Kiel

Kontakt


Marie-Catherine Riekhof

„An der Christian-Albrechts-Universität verfolgen wir ein Transferverständnis, das den Dialog und die gemeinsame Wissensproduktion mit gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren einschließt. Die Konferenz ‚Marine Transdisciplinarity‘ macht diesen Anspruch sichtbar und stärkt zugleich das Profil der CAU im Rahmen ihrer Bewerbung als Exzellenzuniversität. Als stärkste universitäre Partnerin in den Forschungsmissionen der Deutschen Allianz Meeresforschung sind wir stolz, diesen aktuellen Zukunftsdialog im Marine Science Campus zu ermöglichen,“ sagt Professorin Dr. Catherine Cleophas, Vizepräsidentin für digitale Transformation, Gleichstellung und Diversität der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). „Mit dem Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science und dem Center for Ocean and Society sind wir hervorragend aufgestellt, transdisziplinäre Ansätze in der Meeresforschung nachhaltig weiterzuentwickeln,“ so die Vizepräsidentin Cleophas weiter.

Interdisziplinäre Reflexion transdisziplinärer Praxis

In den Sessions, Workshops, Keynotes und Impulsen der zweitägigen Konferenz wurde die interdisziplinäre Perspektive aus den Natur- und Gesellschaftswissenschaften einbezogen, um Erfahrungen, Konzepte und Erfolgsfaktoren zu reflektieren.
© Rahel Dirlt, Uni Kiel
In den Sessions, Workshops, Keynotes und Impulsen der zweitägigen Konferenz wurde die interdisziplinäre Perspektive aus den Natur- und Gesellschaftswissenschaften einbezogen, um Erfahrungen, Konzepte und Erfolgsfaktoren zu reflektieren. © Rahel Dirlt, Uni Kiel

In vier Sessions und vier Workshops sowie begleitenden Keynotes von Expertinnen und Experten der Missionen wurden zentrale Fragen zur Wirksamkeit transdisziplinärer Meeresforschung diskutiert. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den besonderen Herausforderungen innerhalb großer, thematisch und geographisch heterogener Verbundprojekte. Aufbauend auf Erfahrungen aus der ersten Phase der DAM-Missionen wurden Ansätze diskutiert, wie lokal verankerte transdisziplinäre Prozesse mit großskaligen Forschungsstrukturen verbunden werden können. Ein weiterer Fokus lag auf Wissensintegration und Ko-Kreation: Wie lassen sich unterschiedliche Wissensformen aus Forschung und Praxis produktiv zusammenführen? Welche Barrieren erschweren diesen Prozess, und welche Erfolgsfaktoren haben sich in der Praxis bewährt? Auch Real-World-Ansätze spielten eine zentrale Rolle. In einer eigenen Session zu Coastal Living Labs wurde diskutiert, wie Elemente von Reallaboren sinnvoll in Forschungsprojekte integriert werden können – auch dann, wenn ein vollständiges Living-Lab-Design nicht realisierbar ist.

„Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere ist eine enorme Aufgabe, die sich nur gemeinsam lösen lässt. Die Konferenz „Marine Transdisciplinarity“ ist ein wertvolles Forum für den Austausch zwischen den Beteiligten der drei DAM-Forschungsmissionen, mit Wirkung weit darüber hinaus. Herzlichen Dank an die Universität Kiel für die Initiative! Die Akteure der deutschen Meeresforschung mit Stakeholdern aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu verknüpfen, ist eines der Kernelemente der DAM – und die Konferenz ein wunderbarer Anlass, um das Thema Transdisziplinarität in der (Meeres-)Forschung künftig noch intensiver zu diskutieren und voranzutreiben“, betont Dr. Annekatrin Lehmann, Geschäftsführerin Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM). 

Schlüsselrollen, Handlungswissen und Rahmenbedingungen 

Professorin Dr. Beate Ratter, Institut für Geographie, Universität Hamburg, Expertin für transdisziplinäre Akteurskooperation und den gesellschaftlichen Umgang mit Naturgefahren und Klimawandel, hielt am zweiten Konferenztag die Keynote zu
Professorin Dr. Beate Ratter, Institut für Geographie, Universität Hamburg, Expertin für transdisziplinäre Akteurskooperation und den gesellschaftlichen Umgang mit Naturgefahren und Klimawandel, hielt am zweiten Konferenztag die Keynote zu "Von Luther lernen - Transdisziplinarität, nicht nur eine wissenschaftliche Herausforderung". © Rahel Dirlt, Uni Kiel

In allen Sessions und Workshops wurde bewusst auf die interdisziplinären Perspektiven aus den Natur- und Gesellschaftswissenschaften gesetzt, um unterschiedliche Methoden zu reflektieren. Am zweiten Tag spielten dann gezielt die Erwartungen und Herangehensweisen außeruniversitärer Wissensträgerinnen und Wissensträger, etwa aus Fischerei, Politik, Verwaltung oder Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle. Für den Erfolg transdisziplinärer Projekte braucht es zudem Schlüsselpersonen zwischen Forschung und Anspruchsgruppen, die Wissensintegration ermöglichen und erleichtern. Das Rollenverständnis ist jedoch nicht immer klar definiert. Zudem fehlt derzeit ein gemeinsames Verständnis wie Handlungswissen generiert und in der Praxis umgesetzt werden kann. Der zweite Konferenztag ging daher gezielt auch auf Barrieren und Lücken in der transdisziplinären Forschung ein. Bestehende Förderlogiken fordern zwar transdisziplinäre Prozesse zunehmend ein, doch starre Projektstrukturen, kurze Laufzeiten und disziplinär geprägte Bewertungskriterien erschweren deren Umsetzung oft erheblich.

Forschende aus allen drei Missionen der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) trugen zu dem umfasssenden Konferenzprogramm bei. Eine Session befasste sich mit dem Thema Transdisziplinarität in großen interdisziplinären Forschungsprojekten.
© Anna Zaruba, Uni Kiel
Forschende aus allen drei Missionen der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) trugen zu dem umfasssenden Konferenzprogramm bei. Eine Session befasste sich mit dem Thema Transdisziplinarität in großen interdisziplinären Forschungsprojekten. © Anna Zaruba, Uni Kiel

„Die Konferenz hat gezeigt, dass transdisziplinäre Meeresforschung großes Potenzial für die Bewältigung komplexer, gesellschaftlicher Herausforderungen bietet. Gleichzeit benötigen wir klare konzeptionelle Grundlagen, geeignete Rollenprofile, flexible Förderstrukturen und gemeinsame Erfolgsmaßstäbe. Der intensive Austausch von Erfahrungen, Konzepten und Best Practices war ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung transdisziplinärer Forschung in den DAM-Missionen und darüber hinaus. Unser Ziel ist es, diesen Dialog künftig regelmäßig fortzuführen und zur Entwicklung gemeinsamer Standards in diesem noch jungen Forschungsfeld beizutragen,“ resümiert Professorin Dr. Marie-Catherine Riekhof, Direktorin des Center for Ocean and Society des CAU-Forschungsschwerpunktes Kiel Marine Science, die gemeinsam mit ihrem Team die Konferenz organisiert hatte.

Die Konferenz wurde kofinanziert durch die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).

Keynote von Dr. Miranda Böttcher, von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Sie beleuchtete den gemeinsamen Prozess zur Entwicklung eines transdisziplinären Bewertungsrahmens für die marine CO₂-Entnahme (mCDR / marine Carbon Dioxide Removal), der im Projekt ASMASYS der Mission CDRmare der Deutschen Allianz Meeresforschung entwickelt wurde.
© Rahel Dirlt, Uni Kiel
Keynote von Dr. Miranda Böttcher, von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Sie beleuchtete den gemeinsamen Prozess zur Entwicklung eines transdisziplinären Bewertungsrahmens für die marine CO₂-Entnahme (mCDR / marine Carbon Dioxide Removal), der im Projekt ASMASYS der Mission CDRmare der Deutschen Allianz Meeresforschung entwickelt wurde. © Rahel Dirlt, Uni Kiel

Über die DAM

Die Deutsche Allianz Meeresforschung wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie den Wissenschaftsressorts der norddeutschen Bundesländer (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) gefördert.