Riffretter
Von der Forschung zur Umsetzung: Strategien für die Wiederherstellung flacher Steinriffe
Die Steinriffe der Ostsee bestehen aus Feldern mit Steinen unterschiedlicher Größe. Sie bilden die Grundlage für komplexe marine Lebensgemeinschaften: Makroalgen und Miesmuscheln sind auf die steinigen Habitate zur Besiedelung angewiesen, Fische nutzen sie als Rückzugsort und Kinderstube. In den letzten zwei Jahrhunderten wurden jedoch viele Riffe zerstört. Allein vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste wurden zwischen 1800 und 1975 durch die sogenannte Steinfischerei etwa 3,5 Millionen Tonnen Findlinge entnommen. Es wird geschätzt, dass dadurch für hartsubstratbewohnende Organismen in der Ostsee Schleswig-Holsteins ca. 5,6 km² besiedelbare Fläche verloren ging. Die Wiederherstellung solcher Steinriffe soll helfen, den schlechten Gesundheitszustand der Ostsee zu verbessern.
Zielsetzung
Das Projekt „Riffretter“ zielt darauf ab, die ökologische und soziale Wirksamkeit von Wiederherstellungsmaßnahmen flacher Steinriffe in der westlichen Ostsee nachzuweisen. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird eine geplante Riffanlage bei Waabs/Boknis Eck wissenschaftlich begleitet und ökologische Forschung mit sozial-ökologischer Analyse, Umweltbildung und Wissenstransfer verbunden. Dabei soll die Wirkung solcher Renaturierungen auf Biodiversität und Küstengemeinden bewertet, die Zusammenarbeit der in die Maßnahme eingebundenen Behörden und Akteure unterstützt sowie geeignete Methoden für standardisiertes Monitoring und vereinheitlichte Umsetzung entwickelt werden. Durch praxisnahe Handlungsempfehlungen sollen zukünftige Maßnahmen erleichtert und ihre Wirksamkeit erhöht werden für die langfristige und nachhaltige Erholung mariner Lebensräume.
Durchführung
Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit einer bereits geplanten und genehmigten Ausgleichsmaßnahme des Wasserstraßen-Neubauamts Nord-Ostsee-Kanal. Riffretter umfasst fünf Arbeitspakete:
1. Projektkoordination und -management: Steuerung von projektübergreifenden Aktivitäten, Erfassung von Schwierigkeiten, Umsetzung von Maßnahmen für die Gemeinschaftsbildung innerhalb des Projektteams.
2. Sozial-ökologische Forschung: Erhebung der Interessen von Nutzerinnen und Nutzern, Wahrnehmung sowie gesellschaftlicher Relevanz, Akzeptanz und Wirksamkeit.
3. Begleitforschung zur ökologischen Wirksamkeit: Integration von methodischen Ansätzen und Vergleichsdaten aus Vorerhebungen sowie Untersuchung natürlicher Riffe und Erfolgskontrolle der geplanten Maßnahmen. Machbarkeitsstudie für ein zukünftiges nicht-invasives Monitoring der Dynamik der Riffbesiedlung. Analyse der Fischbesiedlung, Materialvergleich und akustisches Monitoring.
4. Wissenstransfer und Verstetigung: Entwicklung von Leitlinien für Riffwiederherstellungen in der Ostsee, Netzwerkaufbau sowie Kommunikations- und Vernetzungsangebote.
5. Umweltbildung: Vermittlung der Bedeutung von Steinriffen an verschiedene Zielgruppen durch verschiedene Veranstaltungen, Tauchangebote und Infomaterialien.
Durch die Verknüpfung von Forschung, Praxis, Umweltbildung und Wissenstransfer ist das Vorhaben ein Leuchtturmprojekt für Riffwiederherstellungen. Aufgrund seiner Übertragbarkeit auf zukünftige Maßnahmen dieser Art soll das Projekt langfristig zur Verbesserung des ökologischen Zustands der Ostsee beitragen.
Projektpartner
Center for Ocean and Society (CeOS) / Kiel Marine Science (KMS) / Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
Ansprechpartner: Dr. Christian Wagner-Ahlfs (Projektleitung); Dr. Lotta Clara KlugerForschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) / Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
Ansprechpartnerin: PD Dr. Katja HeubelDeutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
Ansprechpartnerin: Lioba SchwarzerOstsee Info-Center Eckernförde (OIC) / Umwelt, Technik, Soziales e.V. (UTS)
Ansprechpartner: Till Holsten
Assoziierte Projektpartner
Wasserstraßen-Neubauamt Nord-Ostsee-Kanal, Schleuseninsel 2, 24159 Kiel
E-Mail: wna-nord-ostsee-kanal@wsv.bund.deLandesamt für Umwelt des Landes Schleswig-Holstein (LfU), Abteilung 4 Gewässer
Ansprechpartner: Christoph Heinrich, Dr. Daniel UnverrichtMinisterium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Hol-stein (MEKUN), Referat Meeresschutz & Nationalpark
Ansprechpartnerin: Sarah Joy Hahn
Förderung:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Laufzeit:
09/2026-08/2029